I02 Essen Motorradfahren SIMECA in Buenos Aires

Montag 16. Juli 2007, von SIMECA

Motorradfahren SIMECA in Buenos Aires:

Bericht von Gabriel Salomon von der Kuriergewerkschaft SIMeCa

In Buenos Aires sind etwa 50000 Motorradkuriere unterwegs. Die Branche ist in den letzten Jahren stark expandiert. Arbeiter, die nach der Privatisierung von Betrieben entlassen wurden, haben hier eine neue Erwerbsquelle gefunden. Sie arbeiten größtenteils als Scheinselbständige
für Kurieragenturen.

Vor zwei Jahren haben Motorradkuriere die unabhängige Gewerkschaft SIMeCa gegründet (Sindicato Independiente de Mensajeros y Cadetes, Unabhängige Gewerkschaft der Kuriere und Boten). Sie sind zur Zeit die einzige unabhängige Gewerkschaft, die keinem der korrupten Dachverbände angehört,
und die ohne bezahlte Funktionäre und Bürokraten funktioniert. SIMeCa besteht aus 50-100 Aktivisten. Die Mobilisierung der Kuriere läuft hauptsächlich über Flugblätter und Wandparolen an den Hauptkreuzungen und -treffpunkten.

Die Forderungen setzten zunächst an der Abhängigkeit der Kuriere von den Agenturen an. Von dem Geld, das die Kunden für die Fahrten bezahlen, bekommen die Kuriere nur die Hälfte, z.T. noch weniger. Sie müssen das Motorrad selbst stellen, und Sprit, Reparaturen und Ersatzteile selbst bezahlen. Die Agenturen zahlen keinerlei Versicherungen für ihre Fahrer (Kranken-, Unfall- oder Lebensversicherung). Die erste Demo von SIMeCa mit 500 motoqueros ging zum Unternehmerverband der Agenturen, um u.a. eine Erhöhung des Anteils der Fahrer zu fordern. Bei der zweiten Demoblockierten sie die Stadtautobahn mit 2000 Motorrädern, um gegen die hohen
Gebühren zu protestieren (da bei den Kurieren Schnelligkeit zählt, sind sie auf die Stadtautobahn angewiesen). Die Demo wurde anschließend an einer Straßenecke mit Bier gefeiert. Als nur noch wenige motoqueros da waren, kam ein Schlägertrupp des Unternehmerverbandes, um sie einzuschüchtern, was jedoch für die Angreifer sehr schlecht ausging. Danach gab es die ersten Schwarzen Listen, und die Agenturchefs trafen sich, um sich gemeinsam Videos der Demo anzusehen, Fahrer zu identifizieren und rauszuschmeissen. SIMeCa empfiehlt seitdem, an Demos
nur mit Helmen und nicht in der Arbeitskleidung der Agenturen teilzunehmen. Einige der Rausgeflogenen arbeiten seitdem in der selbst gegründeten Kooperative.

Ein weiterer Konflikt ging Ende letzten Jahres um eine Verkehrssperrung im Bankenviertel der Innenstadt, in einem der Hauptreviere der Motorradkuriere. In diesem Viertel wurden Poller aufgebaut, die so eng stehen, dass nicht einmal Mopeds durchpassen. Die einzigen, die Ausnahmegenehmigungen erhalten sollten, waren Geldtransporter. Nach einer Demo und der Drohung, das nächste mal nicht nach Feierabend zu demonstrieren, sondern die Geldtransporte zu blockieren, gab die Regierung nach.

Soweit der Bericht aus der AG. Weitere Infos (spanisch): www.simeca.org.ar